Fünf Wochen vor Ruka hat der Weltcup keinen Hauptsponsor. Wer das Preisgeld wirklich zahlt

Der Langlauf-Weltcup beginnt am 27. November in Ruka, und er hat noch immer keinen Hauptsponsor. Die norwegische Supermarktkette Coop hatte im Juni angekündigt, nach acht Saisons nicht zu verlängern. Kommt kein Vertrag zustande, wäre es der erste Winter seit 28 Jahren, in dem der Weltcup ohne Hauptsponsor läuft, berichtete die Adresseavisen am Donnerstag.

Terje Lund, Veranstaltungschef des norwegischen Skiverbands und Vorsitzender der FIS-Werbekommission, sagte der Adresseavisen, die FIS stecke mitten im Verkaufsprozess, halte sich aber bedeckt. Bei einer Sitzung vor Kurzem wurde vereinbart, dass jeder Weltcupveranstalter mit der FIS darüber verhandeln kann, die Werbefläche zurückzukaufen, die normalerweise dem Hauptsponsor gehört. Lund sagte, er hoffe weiterhin auf einen guten Partner.

Warum es um das Preisgeld geht

Lund stellte einen direkten Bezug zu den Einnahmen der Athletinnen und Athleten her. Die FIS finanziere nur einen Teil des Preisgelds, sagte er. Werden die Rechte nicht verkauft, fehlen der FIS Einnahmen, und das könne sich darauf auswirken, wie viel Preisgeld sie auszahlen kann. Innerhalb der FIS werde bereits über eine Kürzung der Preisgelder diskutiert.

Dazu kommt ein größeres Geldproblem. Bei ihren Herbstsitzungen berichtete die FIS, dass ihr Eigenkapital zwischen 2021 und 2025 um 47 Prozent gesunken ist, von 81 auf 43 Millionen Franken. Präsident Alexander Ospelt sprach von einem “kritischen Moment, der sofortiges und entschlossenes Handeln erfordert”, und das FIS Council billigte Sparmaßnahmen und neue Einnahmequellen. Der Coop-Vertrag war laut Adresseavisen zwischen 15 und 20 Millionen norwegische Kronen pro Jahr wert.

Wer was zahlt

Die Weltcupregeln 2026/27 legen fest, woher das Geld am Renntag kommt, und der größte Teil stammt nicht von der FIS.

  • Einzelrennen: mindestens 62.000 Euro pro Rennen und Geschlecht, ausgezahlt an die Top 20. Der Veranstalter zahlt 51.400 Euro (83 Prozent), die FIS erstattet 10.600 Euro (17 Prozent). Der Sieg bringt 14.000 Euro, Platz zwei 11.000, Platz drei 7.000, Platz 20 noch 500 Euro.
  • Teamrennen: mindestens 48.000 Euro für die Top 10. Der Veranstalter zahlt 39.500 Euro, die FIS 8.500 Euro.
  • Gesamtweltcup: 238.000 Euro pro Geschlecht für die Top 20 am Saisonende, 55.000 Euro für den Sieg. Jedes Rennen zahlt in diesen Topf ein, rund zwei Drittel dieses Beitrags trägt die FIS.
  • Tour de Ski: 496.000 Euro pro Geschlecht über acht Etappen, der Großteil davon (407.000 Euro) für die Gesamtwertung.

Was auf dem Spiel steht

Das Preisgeld am Renntag ist der sicherste Teil. Es ist ein in den Regeln für diese Saison festgeschriebenes Minimum, und den größten Teil zahlen Veranstalter wie Ruka, Davos oder Holmenkollen, nicht die FIS. Ein fehlender Hauptsponsor lässt dieses Geld vor Ruka nicht verschwinden.

Gefährdet ist der FIS-Anteil: die 10.600 Euro pro Einzelrennen, der Großteil des Gesamttopfs und das FIS-Budget insgesamt, und das in einer Phase, in der die FIS ohnehin spart. Eine Kürzung, die jetzt beschlossen wird, würde wohl eher in den Regeln für 2027/28 auftauchen als mitten in diesem Winter. Die FIS hat aber nicht gesagt, ob und wann sie handeln will.

Die Rückkaufoption verlagert zudem einen Teil der Last auf die Veranstalter. Wer die Fläche des Hauptsponsors übernimmt, kann sie lokal vermarkten, zahlt dafür aber auch an die FIS. Für große nordische Austragungsorte mit starken Heimsponsoren kann das aufgehen. Für kleinere Veranstalter, die ohnehin den Großteil des Preisgelds tragen, ist es eine weitere Rechnung.

Für Fans wird das in Ruka am Weltcup-Branding sichtbar. Steht dort, wo seit 2018 der Name Coop stand, ein lokaler Sponsor oder gar nichts, hat die FIS ihren Partner nicht gefunden.