Russland bekommt wieder sechs Weltcup-Startplätze pro Rennen. Nur fünf seiner neutralen Athleten können sie nutzen

Russische neutrale Athleten bekommen in diesem Winter dieselbe Weltcupquote wie Russland 2021/22, in der letzten Saison vor dem Ausschluss. Das hat die Pressestelle der FIS diese Woche russischen Medien bestätigt. Russische Medien, darunter Sport-Express, verstehen das als sechs Startplätze pro Geschlecht in jedem Einzelrennen und bis zu zwölf gemeldete Athleten pro Geschlecht für ein Weltcupwochenende. Mehr bekommt keine Nation: In den Weltcupregeln 2026/27 haben auch Norwegen, Schweden und die anderen bestplatzierten Nationen eine Grundquote von sechs. Russland steht gar nicht in der veröffentlichten Quotentabelle, und Nationen, die dort fehlen, bekommen zwei.

Eine Quote nützt aber nur, wenn man Athleten hat, die sie füllen können. Hier hat Russland eine Lücke.

Das Punkteproblem

Für einen Weltcupstart braucht ein Athlet 150 FIS-Punkte oder weniger auf der Punkteliste, die für das Rennen gilt: Distanzpunkte für Distanzrennen, Distanz- oder Sprintpunkte für Sprints. Weniger Punkte sind besser.

Wir haben alle 13 russischen Langläufer auf der FIS-Liste der zugelassenen neutralen Athleten mit der aktuellen FIS-Punkteliste abgeglichen, der zweiten von 2026/27, gültig vom 15. Oktober bis 11. November. Fünf von ihnen erfüllen die Vorgabe:

AthletDistanzpunkteSprintpunkte
Sawelij Korostelew9,5158,77
Darja Neprjajewa15,6273,57
Nikita Denissow37,7577,95
Jekaterina Nikitina86,60108,98
Alina Pekletsowa93,86260,86

Punkte aus den FIS-Profilen der Athleten auf der aktuellen Punkteliste, abgerufen am 18. Oktober.

Die anderen acht haben gar keine FIS-Punkte auf der Liste: Arina Kalitschewa, Jelisaweta Maslakowa, Aljona Pletschewa, Jekaterina Schibekina und Ksenija Schorochowa bei den Frauen sowie Dmitri Pusanow, Andrei Sacharow und Sergei Wolkow bei den Männern. Russische Inlandsrennen stehen seit 2022 nicht mehr im FIS-Kalender, deshalb bringen ihre Ergebnisse zu Hause keine FIS-Punkte.

Damit bleiben drei Frauen (Neprjajewa, Nikitina und Pekletsowa) und zwei Männer (Korostelew und Denissow), die nach der normalen Regel vom 27. bis 29. November in Ruka starten könnten. Pekletsowas Sprintpunkte liegen über der Grenze, ihre Distanzpunkte berechtigen sie aber auch für Sprints.

Kann sich das vor Ruka ändern?

Kaum. Die nächste Punkteliste gilt ab dem 12. November und dürfte die Liste sein, die in Ruka gilt. Die nächsten FIS-Rennen auf Schnee finden ab dem 13. November in Olos bei Muonio in Finnland statt, also nach dem Wechsel. Ergebnisse von dort können erst auf einer späteren Liste zählen. Die Athleten ohne Punkte könnten später in der Saison noch in den Weltcup kommen, wenn sie vorher in FIS-Rennen im Ausland Punkte sammeln.

Eine Tür lassen die Regeln offen. In Ausnahmefällen kann ein nationaler Verband spätestens eine Woche vor einem Rennen schriftlich einen Start für einen Athleten beantragen, der die Startvoraussetzungen nicht erfüllt. Darüber entscheidet der FIS-Renndirektor zusammen mit den Vorsitzenden des Langlauf- und des Weltcupkomitees. Als Beispiele nennen die Regeln Spitzenathleten aus anderen Sportarten und Comebacks nach Schwangerschaft oder Verletzung. Ob Russland einen solchen Antrag stellt und ob die FIS ihn annehmen würde, ist offen.

Dazu kommt die russische Selektion. Sowetski Sport berichtete unter Berufung auf den Telegram-Kanal Radiolyschi, der russische Verband wolle sein Weltcupteam bei den Rennen „Jugorija. Erster Schnee“ in Chanty-Mansijsk vom 8. bis 11. November bestimmen. Offiziell angekündigt hat der Verband das nicht.

Und Bolschunow?

Alexander Bolschunow steht nicht auf der FIS-Liste der zugelassenen neutralen Athleten. Am 16. Oktober sagte Juri Borodawko, Cheftrainer der russischen Nationalmannschaft, Bolschunow habe die russische Armee verlassen, was die FIS nach seinen Worten verlangt habe, und seine Chancen auf eine Zulassung seien deutlich gestiegen. Die FIS hat sich zu Bolschunows Antrag nicht geäußert.

An den Punkten würde es bei ihm nicht scheitern. Der dreifache Olympiasieger von Peking hat auf der aktuellen Liste weiterhin 3,10 Distanz- und 30,07 Sprintpunkte. Veronika Stepanowa, der andere große Name, der auf der Neutralenliste fehlt, hat 32,28 Distanzpunkte. Für beide ist der neutrale Status die einzige Hürde.

Was das bedeutet

Dieser Abschnitt ist eine Analyse.

Die volle Quote ist ein Versprechen für später in der Saison, nicht für Ruka. Sechs Plätze pro Rennen sind viel Raum, aber nach heutigem Stand kann Russland bei den Frauen etwa die Hälfte davon füllen und bei den Männern ein Drittel. Die Lücke schließt sich nur, wenn mehr Athleten in Rennen außerhalb Russlands FIS-Punkte holen, wenn die FIS Ausnahmen gewährt oder wenn Athleten mit Punkten wie Bolschunow und Stepanowa zugelassen werden.

Spannend wird es bei den Frauen. Acht Russinnen sind zugelassen, drei von ihnen können jetzt starten. Pekletsowa, Gesamtsiegerin des russischen Cups der vergangenen Saison, und Nikitina haben seit März 2022 keine Ergebnisse in der FIS-Datenbank. Ruka wird der erste echte Vergleich zwischen dem russischen Inlandsniveau und dem Weltcupfeld seit 2022.

Für andere Nationen ist der Effekt vorerst klein. Fünf zusätzliche Athleten auf der Startliste ändern an der Spitze wenig, auch wenn Korostelew und Neprjajewa in der vergangenen Saison beide in den Top 25 des Gesamtweltcups landeten. Weiter hinten wächst der Effekt, wenn Russland ab Dezember seine sechs Plätze füllt. Die Regeln für neutrale Athleten insgesamt erklären wir in unserem Überblick zu den Bedingungen 2026/27.

Update, 24. Oktober 2026: Die FIS hat am 23. Oktober 22 weitere Russen zugelassen, fünf davon mit genug FIS-Punkten, darunter Natalja Terentjewa. Damit könnten zehn Russen, fünf pro Geschlecht, in Ruka starten. Unsere Analyse.