Der Weg der Russen nach Ruka: Einladung vom finnischen Verband, dann Visum im Einzelfall
Finnlands Skiverband will russische Athleten mit neutralem Status nicht vom Weltcupauftakt in Ruka vom 27. bis 29. November fernhalten. Damit geht er einen anderen Weg als Schweden. Dort drängt der nationale Verband die Regierung, Russen die Visa für die WM 2027 in Falun zu verweigern.
„Wir halten die Situation weiterhin für traurig und belastend und finden, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Aber wir müssen die getroffenen Entscheidungen befolgen und mit der Situation leben“, sagte Verbandspräsidentin Sirpa Korkatti in Äußerungen, die Dagens Nyheter am Dienstag veröffentlichte. Der schwedische Vorstoß sei „eine Überraschung“ gewesen, sagte sie. Der finnische Verband habe noch nicht besprochen, ob er die eigene Regierung ebenso bearbeiten wolle, aber „das Thema wird sicher irgendwann zur Sprache kommen“.
Drei Hürden bis zum Start
Ein russischer Langläufer muss drei Hürden nehmen, um in Ruka zu starten.
Die erste ist der neutrale Status. Die FIS muss den Athleten als individuellen neutralen Athleten (AIN) zulassen. Die FIS-Liste ist weiterhin die Version vom 27. Oktober, mit 45 russischen und zwei belarussischen Langläufern. Von den acht Athleten, die Russland für Ruka und Trondheim nominiert hat, stehen nur Sawelij Korostelew, Natalja Terentjewa und Alina Pekletsowa darauf. Alexander Bolschunow, Veronika Stepanowa, Sergej Ardaschew, Alexander Terentjew und Aljona Baranowa fehlen.
Die zweite ist eine Einladung des Veranstalters. Finnland beschränkt seit September 2022 nicht notwendige Reisen russischer Staatsbürger. Suvi Järvelä-Hagström, stellvertretende Leiterin der Einreiseabteilung im Außenministerium, sagte Iltalehti am Mittwoch, Profisportler und ihre Betreuer fielen unter eine Ausnahmegruppe, kurzfristige Arbeit mit Visum. Für sie könne nach dem Regierungsbeschluss von 2022 ein Visum geprüft werden. „Eine der Voraussetzungen in den Visumanträgen, die bei uns eingehen, ist eine Einladung des Veranstalters“, sagte sie.
Veranstalter ist die Ruka Nordic Oy. Nach einem im Februar vereinbarten Modell trägt die Firma, die dem finnischen Skiverband gehört, die Gesamtverantwortung für das Rennen. Vorsitzende ist ebenfalls Korkatti.
Die dritte ist das Visum selbst. Jeder Antrag werde einzeln geprüft, sagte Järvelä-Hagström, egal ob er von einem Läufer oder einem ganzen Team kommt. Nach EU-Visarecht kann ein Antrag abgelehnt werden, wenn der Antragsteller als Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats gilt. Der neutrale Status sei dabei „eine zusätzliche Information“, sagte sie, aber alle Bedingungen müssten erfüllt sein. Auch mit einem Schengen-Visum eines anderen Landes kann ein Profisportler nach Finnland kommen.
Die FIS hält sich bei diesem Schritt heraus. Laut ihrer Richtlinie für neutrale Athleten werden Visa- und Einreiseregeln „allein vom Gastgeberland bestimmt“, und die FIS trägt keine Verantwortung, wenn ein Visum verweigert wird.
Der Präzedenzfall der vergangenen Saison
Korostelew und Terentjewa, damals noch als Natalja Neprjajewa, liefen in der vergangenen Saison beim Weltcup in Lahti. Iltalehti berichtete, es sei nicht bekannt, mit welchen Visa sie eingereist seien, und seit der Schließung der Grenze habe kein komplettes russisches Team aus Athleten und Betreuern versucht, nach Finnland zu kommen.
Einen engeren Präzedenzfall gibt es im Ringen. Vor der U23-WM 2023 in Tampere sagte der Konsularchef des Außenministeriums dem finnischen Ringerverband, ein kurzer Aufenthalt für Profisport könne ein Visumgrund sein, Amateursport nicht, berichtete Yle. Der Ringerverband erklärte damals, er habe keinen Einfluss auf die Visa.
Was Finnlands Haltung bedeutet
In Schweden geht es darum, ob die Regierung Visa verweigern kann. In Finnland liegt der erste praktische Schritt beim Sport selbst, weil ein Visumantrag die Einladung des Veranstalters braucht. Die Frau, die gesagt hat, der Verband werde „die Entscheidungen befolgen“, leitet sowohl den Verband als auch die Firma, die diese Einladungen ausstellt. Der Verband kontrolliert also die mittlere Hürde, und er hat gesagt, dass er damit niemanden aufhalten will. Solange sich diese Haltung nicht ändert, liegt die finnische Entscheidung beim Außenministerium.
Vorerst ist der FIS-Status das größere Hindernis. Fünf der acht für Ruka nominierten Russen können dort nicht starten, egal wie Finnland entscheidet, weil sie nicht auf der FIS-Liste stehen. Bolschunow und Stepanowa sind die beiden Namen, die Ruka zu einer viel größeren Geschichte machen würden.
Ruka wird auch der erste echte Test für eine gemeinsame nordische Linie. Korkatti sagte, die nordischen Länder hätten im Großen und Ganzen dieselbe Sicht, und sie drücke dem schwedischen Verband die Daumen. Trotzdem geht Finnland vier Wochen vor dem Auftakt praktisch den umgekehrten Weg. Starten Russen in Ruka, lässt sich vor Falun schwerer behaupten, die nordischen Gastgeber handelten als ein Block.